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Zuchttips Teil 2 von KJF
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Zuchttips Teil 2 von KJF
26.01.2003 von KJF
| | Die Zucht unter Berücksichtigung des Genotyps Nun werde ich mal versuchen zu erklären, wie man verschiedene Strategien anwenden kann um die Merkmale bestens zu nutzen, die ein Fische trägt, aber nicht zeigt. Zur Erinnerung: Phänotyp - bezieht sich auf alle Merkmale die man sehen kann, einfach ausgedrückt, Farbe und Form. Genotyp - bezieht sich auf alle Merkmale und Charakterzüge, die der Fisch trägt und die man nicht sehen kann. Sie sind in seinen Genen. Was folgert man darus? Genau, um die besten Ergebnisse eines Zuchtprogramms zu erreichen, kombiniert man den Phänotyp und den Genotyp der Fische. Richtet man das Zuchtprogramm nur nach dem Aussehen der Fische, wird man in der Regel länger brauchen um seinen Stamm zu verbessern, als wenn man das Zuchtprogramm auf den Phäno- und den Genotyp ausrichtet. Um Stämme zu verbessern wenden alle Züchter die blutsverwandten Paarungen (auf Neudeutsch inbreeding) und die Kreuzung zwischen Stämmen (outbreeding) an. Inbreeding: Dies sind Kreuzungen zwischen Mitgliedern einer Familie. Dies kann sein, der Vater mit seiner Tochter, die Mutter mit ihrem Sohn, der Bruder mit der Schwester. Outbreeding: Die Kreuzungen zwischen Stämmen entsprechen den Paarungen außerhalb der Familie. Sämtliche Paarungen die nicht blutsverwandt sind, gelten als Kreuzungen zwischen Stämmen. Betrachten wir jetzt einige Techniken der Fortpflanzung, welche die Züchter gebrauchen, um ihre Stämme zu verbessern. Die blutsverwandten Paarungen Methode Nr. 1 Die im allgemeinen angewandte Methode ist die Paarung zwischen Bruder und Schwester. Ausgehend von einem guten Paar, beginnt man die Vermehrung mit einem einzigen Stamm. Wir kreuzen stets den besten Bruder mit der besten Schwester. Immer weiter von Generation zu Generation. Nach einiger Zeit werden wir bemerken, dass es so nicht weiter geht. Die ersten Zeichen sind ein verlangsamtes Wachstum, kleinere Fische und später eine graduelle Unfruchtbarkeit. Nach den ersten Zeichen der Verschlechterung wird man einen Betta von besserer Qualität und gleicher Farbe kaufen müssen, in der Regel ein gutes Männchen. Dieses Männchen wird nun mit einem guten Weibchen aus dem Ursprungsstamm gepaart. Gleichzeitig wird aber auch mit dem Ursprungsstamm weiter gezüchtet (bester Bruder X beste Schwester). Das beste Männchen der neuen F1-Generation wird nun mit dem besten Weibchen aus der nächsten Generation des Ursprungsstammes, welchen wir ja weiter gezüchtet haben, gepaart. Von dieser neuen F2-Generation paaren wir wiederum das beste Männchen mit einem Weibchen aus dem Ursprungsstamm. Die Nachkommen dieser Paarung sollten nun besser sein als die des alten Stammes. Jetzt wird mit dem neuen Stamm weiter gezüchtet wie oben beschrieben. Der alte (Ursprungs-)stamm wird aufgegeben. Jede Vermehrungsmethode hat Vor- und Nachteile. Der größte Vorteil dieser Methode im Vergleich mit anderen, auf den Genotyp gegründeten ist, dass es immer weniger Stämme erfordert. Bei diesen Kreuzungen Brüdern und Schwestern dauert es außerdem länger bis schlechte Resultate auftreten, als bei Paarungen zwischen Vater und Tochter oder Mutter und Sohn. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht, wie folgendes Schaubild darstellt: | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | |  | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | Die blutsverwandten Paarungen Methode Nr. 2 Diese Methode unterscheidet sich nicht so sehr von Methode 1. Auch hier beginnt man mit einem sehr guten Pärchen. Danach paart man ein von dieser Kreuzung abstammendes sehr gutes Weibchen mit seinem Vater. Aus diesen Nachzuchten wiederum wählt man die besten Brüder und Schwestern und verpaart sie weiter . Aus dieser neuen Generation verpaart man nun die schönsten Weibchen mit ihrem Vater. So wird nun abwechselnd weiter gezüchtet. Wenn sich irgendwann die Qualität verschlechtert und das tut sie garantiert, muss man ein neues Männchen erwerben und nach der 1. Methode ein kreuzen. D. h. bei jeder Generation wechseln wir zwischen den Kreuzungen Vater x Tochter und Bruder x Schwester. Diese Methode bringt den schnellsten Erfolg zum Erreichen des Zuchtzieles. Grundvoraussetzung für diese Methode ist aber, dass das erste Männchen bereits außergewöhnlich sein muss. Danach müssen ebenfalls nur die besten Männchen und Weibchen selektiert und zur Weiterzucht verwendet werden. Der Nachteil bei dieser Art ist, dass diese Fische einer starken Inzucht unterliegen. Es werden also recht bald nicht blutsverwandte Männchen ein gekreuzt werden müssen und dazu muss immer die Methode 1 verwendet werden. | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | |  | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | Diese beiden relativ ähnlichen Methoden haben aber einen riesigen Vorteil: sie erfordern nicht so viel Platz, Zeit und Mühen als die Methode, die als nächstes folgt. Guy Delaval, z.B. züchtete sehr eng mit den Methoden 1 und 2, über seine Resultate aber lässt sich nicht meckern. | | | | | | | | | |  | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | Guy Delaval | | | | | | | | Kreuzungen zwischen Stämmen Methode Nr. 3 Die Ausgangsbasis ist wie bei allen Methoden, beschaffen eines sehr guten Pärchen. Aus den Nachkommen (F1-Generation) werden jetzt aber mehrere Pärchen selektiert und diese dienen nun als Ausgangsbasis für mehrere Stämme (ein Paar ist ein Stamm). Mit diesen Stämmen wird nun separat weiter gezüchtet und zwar immer Bruder x Schwester. Merkt ihr den Unterschied, jetzt artet es in Arbeit aus. Hatten wir vorher nur einen Stamm, so sind es jetzt 2, 3, 4 ...... also Arbeit, Arbeit, Arbeit..... Die Selektion erfolgt ausschließlich nach dem Phänotyp (Form und Farbe). Da bei allen Stämmen das Ausgangsmaterial das gleiche war, werden sie sich sehr ähneln. Und genau darin liegt der große Vorteil dieser Methode. Wenn ein Stamm schwächen zeigt, wird einfach ein Männchen aus einem anderen Stamm ein gekreuzt. Diese Methode ist etwas langsamer um zum Ziel zu kommen als Methode 2, aber dafür äußerst stabil. Wenn man z.B. 3 Stämme führt, ist man immer in der Lage den Haupt-Stamm zu bewahren und zu verbessern. Fast alle Züchter (nicht nur BS-Züchter) arbeiten nach dieser Methode. | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | |  | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | Hat man nun als Ausgangsbasis nicht das beste Material zur Verfügung, kann mit dieser Methode trotzdem ein gutes Ziel erreichen. Man verwendet dazu drei Stämme. Den 1. Stamm selektiert man ausschließlich nach der Farbe. Den 2. Stamm selektiert man ausschließlich nach der Größe. Den 3. Stamm selektiert man ausschließlich nach der Form. Nach einigen Generationen beginnt man die Stämme untereinander zu kreuzen, damit kann man den Stamm in Farbe, Form und Größe verbessern. Zur Methode 3 gibt es noch einige Variationen. Eine davon ist, dass mit mehr als nur einem Paar begonnen wird. Es sollten aber nicht blutsverwandte Tiere sein. Die Weiterzucht ist identisch oben aufgeführt. Dies bedeutet aber noch mehr Stämme und damit noch mehr Arbeit. Allerdings werden dadurch auch die Risiken der Inzucht vermindert. Die nächste Variante ist, man hat bereits einen Zuchtstamm und legt sich ein zweites Paar als neuen Stamm zu. Diese beiden Stämme werden parallel gezüchtet. Durch kreuzen von Stamm 1 mit Stamm 2 erhält man einen 3. Stamm welcher ebenfalls weiter gezüchtet wird. Nachkommen (Männchen) des 3. Stammes werden nun in die beiden anderen Stämme ein gekreuzt. Durch späteres Rückkreuzen aus Stamm 1 und 2 in Stamm 3 werden wir hier immer sehr gute Nachkommen erhalten. Vielleicht kann man jetzt auch erahnen, warum ein Zuchtbuch für eine erfolgreiche Zucht unumgänglich ist. Fazit Fortpflanzung unter Berücksichtigung des Phänotyps ist Fortpflanzung nach dem Aussehen. Fortpflanzung unter Berücksichtigung des Genotyps ist ein Zuchtprogramm über mehrere Generationen mit dem Ziel, die besten Gene zu erhalten und durch Selektion unerwünschte Gene auszumerzen. Es ist von Vorteil mit Freunden zusammen zu arbeiten. Denn nur so können gleichzeitig, bei einem vertretbaren Aufwand, mehrere Stämme gleichzeitig gehalten werden. Falls man mal einen „Durchhänger" hat und den hat irgendwann jeder, haben die Freund immer noch den "Stamm". Zum Schluß möchte ich mich noch bei meinem Freund, Lehrmeister und einem der besten Bettazüchter weltweit - Rajiv Masillamoni - bedanken. Von ihm stammt der größte Teil meiner Ausführungen, welche er mir 1994 zur Verfügung stellte. | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | Autor : KJF | | | |
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