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Artikel   Zuchttips Teil 1 von KJF
26.01.2003 von KJF

Nachdem ich über die Selektion bereits berichtet habe, nun noch einige Ratschläge
wie man bessere Bettas züchten kann.

Der erste und wichtigste Schritt besteht in der Beschaffung guten Zuchtmaterials, falls
nicht bereits vorhanden. Unter Zuchtmaterial verstehe ich in der Regel mehr als ein Paar.
Damit hat man normalerweise einen guten Ausgangspunkt für die weitere Vorgehensweise.

Unterhaltet nur so viele Aquarien , wie es euere Zeit erlaubt. Das kann evtl. bedeuten,
dass man nur eine Farbe züchten kann. Aber besser eine Farbe gut züchten, als viele
Farben schlecht. Ich trenne grundsätzlich nach 2 - 3 Monaten die ganze Brut und
überführe sie in einzelne Behälter. Jawohl alle, also auch die Weibchen. Jetzt wisst ihr,
warum ich von bis zu 250 Einzelbehältern sprach. Der Vorteil der Einzelbehälter besteht
darin, dass man die Bettas einfach besser sieht und damit besser selektieren kann.
Am Anfang sind alle Männchen schön, aber von Woche zu Woche werden sie sich immer
mehr unterscheiden.
Als nächstes steht die Auswahl der richtigen Zuchttiere an.
Im folgenden werde ich versuchen meine Auswahlkriterien im Bezug auf Männchen und
Weibchen darzulegen.
Tips zur Verbesserung der Betta-Zucht Teil 2


Männchen

ð Die Schwanzflosse des Männchens muss einen guten Winkel haben, welcher vom obersten

Flossenstrahl und dem Schwanzstiel gebildet wird.
Die Abbildung zeigt einen 90°-Winkel, bzw. zusammen mit dem unteren Flossenstrahl,
einen 180°-Winkel, die ideale Schwanzflossenform.
Hier erkennen wir einen Winkel von ca. 45°, dies ist das
Minimum für einen akzeptablen Winkel. Wir suchen also diejenigen Männchen heraus,
bei denen der Winkel den 90° am nächsten kommt.
Wenn das beste Männchen aus dieser Linie diesen Winkel auch nach mehreren
Generationen nicht erreicht, kann man diese Linie getrost aufgeben, das wird nichts mehr.
Also neue Fische erwerben und von vorne beginnen. Klingt hart, ist aber ist.

ð Der Schwanzstiel muss kräftig und dick sein. Nur Bettas mit einem dicken Schwanzstiel
können die Flossen tragen. Also, achtet darauf, dass euere Männchen mit ES diese
Eigenschaft besitzen. Das DS-Gen sorgt für diese Basis. Wenn also bei einer Linie der
Schwanzstiel ein Schwachpunkt ist, wird ein DS-Betta eingekreuzt.

ð Als nächstes wird immer wieder nach auseinander strebenden Flossenstrahlen und
Verzweigungen gesucht.

Je mehr Verzweigungen vorhanden sind, um so besser ist es. Die auseinander
laufenden Flossenstrahlen und der Winkel stellen die wichtigsten Kriterien dar.
Ist ein Männchen mit sekundären Verzweigungen, aber einem guten Winkel vorhanden, verwendet es zur Zucht.
Es gibt zwei Arten von tertiärer Verzweigung. Die eine verändert nicht die Richtung der Strahlen am Verzweigungspunkt.
Bei dieser Art Verzweigung haben die Strahlen der Schwanzflosse meistens keine quartären Verzweigungen.
Bei der zweiten Art tertiärer Verzweigungen ändern die Strahlen ihre Richtung bei der Trennung. Diese Verzweigung ist wesentlich besser.
Die Mehrzahl der Halfmoon-Bettas gehören dieser Kategorie an. Dies ist die beste Verzweigungsart und muss bevorzugt werden.
ð Nun prüfen wir, ob der mittlere Strahl der Schwanzflosse nicht zu lange ist.
Ich bevorzuge Fische, bei denen er etwa die Hälfte der Körperlänge hat.
Für die Zucht von Halfmoons ist das ein sehr wichtiger Punkt.
Wenn der mittlere Strahl zu lang ist, kann der Fisch außerdem seine Schwanzflosse
nicht richtig entfalten. Das Einkreuzen von DS-Bettas um die Schanzflosse von
ES-Bettas zu verbessern, bringt m. M. nach gar nichts. Ich denke die Schwanzflosse
wird dadurch nicht beeinflusst. Verbessert wird aber der Schwanzstiel.

ð Über die Form der Afterflosse habe ich schon bei der Selektion geschrieben.
Das Ziel, einen bessere Afterflosse zu erreichen, geschieht durch die Auswahl von
Fischen, bei denen sekundäre Verzweigungen in der Afterflosse vorhanden sind.
Je mehr, um so breiter wird sie sein.
ð Eine breite Rückenflosse ist einer langen und feinen Flosse immer vorzuziehen.
Man kann die Strahlen der Rückenflosse zählen und die Fische aussuchen,
bei denen sie eine breite Basis hat. Durch gezielte Auslese kann man die
Rückenflosse verbreitern. Die einfachste Art, eine breitere Rückenflosse
bei einem ES-Betta heraus zu züchten, besteht darin, dass man DS-Bettas
in die Linie einkreuzt. Sekundäre Verzweigungen in der Rückenflosse sind
ebenfalls zu erreichen.

ð Die Bauchflossen sollten ebenfalls so breit wie möglich sein.
Weibchen

Wie schon gesagt, alle Weibchen einzeln halten und nach zwei Wochen
kann man die 5 - 10 besten einer Brut aussuchen. Dies geschieht nach
den gleichen Kriterien wie bei den Männchen. Viele Züchter machen
häufig den Fehler dass sie wahllos Weibchen zur Zucht nehmen. Denkt
immer daran, dass 50% der Eigenschaften der Nachkommen vom Weibchen
stammen.

ð Bevorzugt werden Weibchen, bei denen gerade und nicht abgerundete
Linien an der Schwanzflosse vorhanden sind.
ð Ebenso werden die aggressivsten und aktivsten Weibchen bevorzugt.
Denkt an die 50% Regel, wir wollen aggressive Männchen züchten und
dazu brauchen wir aggressive Weibchen.


So das waren einige Tips um seine Linie zu verbessern.


In einer guten Bettazucht spielen zwei Faktoren die Hauptrolle:

die Phänotypen (dieser Bericht handelt davon) und die Genotypen (folgen).

Phänotyp: die genetisch kontrollierte Eigenschaft (»Phän«) oder das gesamte Erscheinungsbild eines Individuums zu einem best. Zeitpunkt seiner Entwicklung als Ergebnis der kombin. Wirkung von Genotyp und Umwelteinfluß.

Genotyp: das gesamte, bei sexueller Fortpflanzung anteilig von beiden Elternteilen stammende Erbgut eines Organismus; d.h. die Gene u. ihre entsprechenden, auf den homologen Chromosomen liegenden Allele, durch deren gemeinsames Wirken - bzw. durch deren Dominanz oder Rezessivität - der Phänotyp geprägt wird.

http://www.pharmazie.uni-halle.de/pb/mgst/Genetik4/fahrplan.html

Vielleicht noch ein Nachtrag zum besseren Verständnis.

Phänotyp - ist alles was wir sehen können.
Genotyp - ist alles was wir nicht sehen können, aber trotzdem da ist.




Autor : KJF




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